Heutzutage gibt es zahlreiche sichere Methoden zur Empfängnisverhütung. Trotzdem treten immer wieder ungewollte Schwangerschaften auf. Es ist deshalb notwendig sich umfassend über die verschiedenen Verhütungsmethoden zu informieren. Je nach Lebensphase und Lebensumständen eignen sich manche Präparate besser als andere oder sollten einige sogar vermieden werden. Die kompetente Beratung der Frauenärztin hilft, die passende Verhütung zu finden. Die Sicherheit der einzelnen Methoden wird durch den Pearl-Index angegeben. Dieser zeigt an, wie viele von 100 Frauen innert 1 Jahres bei Anwendung der jeweiligen Methode schwanger werden.

  • Methode
    Pearl-Index
  • Keine Verhutung
    30 – 85
  • Coitus interruptus
    4 – 30
  • Kondom
    5 – 25
  • Symptothermale Methode
    0.4 – 2.3
  • „Pille“
    0.1 – 0.9
  • Verhutungsring
    0.4 – 0.65
  • Verhutungspflaster
    0.7 – 0.9
  • Kupferspirale
    0.3 – 0.8
  • Hormonspirale
    0.1
  • Sterilisation Frau
    0.2 – 0.3
  • Sterilisation Mann
    0.1

Natürliche Verhütungsmethoden

Da eine Frau nur während des Eisprungs schwanger werden kann und dieser durch Änderungen der Körpertemperatur und Veränderung des Zervixschleims angezeigt wird haben sich verschiedene Methoden entwickelt, die dieses Wissen nutzen. Wichtig ist ausser dem die Erkenntnis, dass Samenzellen bis zu 5 Tage überleben. Eine Befruchtung kann somit nur von 5 Tagen vor dem Eisprung bis 12 Stunden nach dem Eisprung stattfinden.

Kalender-Methode nach Knaus-Ogino

Bei regelmässigem Zyklus wird aus möglichst vielen vorrausgegangen Zyklen die ungefähre Zeit des Eisprung und damit der fruchtbaren Tage für den nächsten Zyklus berechnet. So kann an den fruchtbaren Tagen zusätzlich verhütet werden, während die anderen Tage keine weitere Verhütung benötigen

Basaltemperatur-Methode

Zusätzlich zur obengenannten Methode wird jeden Morgen nach dem Aufwachen die Körpertemperatur gemessen. 1-2 Tage nach dem Eisprung kommt es zu einer bleibenden Temperaturerhöhung von 0.2-0.5°C. So ist es möglich, denn stattgefundenen Eisprung und damit den Beginn der unfruchtbaren Tage nachzuweisen und für den nächsten Monat ungefähr den Zeitpunkt des Eisprungs zu berechnen.

Symptothermale Methode

Zusätzlich zur oben genannten Methode wird die Veränderung des Zervixschleim beobachtet, welcher ab ca. 5 Tagen vor dem Eisprung flüssiger und spinnbarer wird und seine höchste Spinnbarkeit und Feuchte am Tag vom Eisprung erreicht. Die Kombination aller 3 Methoden ergibt die höchste Sicherheit.

Alle genannten Methoden benötigen eine strenge Disziplin, einen gleichbleibenden Lebensrhythmus (keine Nachtdienste o.ä.) und einen regelmässigen Zyklus. An den fruchtbaren Tagen ist eine zusätzliche Verhütung z.B. Kondom oder Verzicht empfohlen. Bei richtiger Anwendung bietet aber nur die Kombination in Form der Symptothermalen Methode eine hohe Sicherheit wie bei einer „Pille“.

Hormonfreie Verhütungsmethoden

Bei den hormonfreien Verhütungsmethoden unterscheidet man zwischen Barrieremethoden (Kondom oder Portiokappe), welche den Spermien den Zugang zum Muttermund verwehren und der Kupferspirale.

Bei den hormonfreien Verhutungsmethoden unterscheidet man zwischen Barrieremethoden (Kondom oder Portiokappe), welche den Spermien den Zugang zum Muttermund verwehren und der Kupferspirale.

Kupferspirale

Kupferspiralen bestehen aus weicher Plastik und sind am Schaft mit feinem Kupferdraht umwickelt. Die Spirale wird über den Muttermund in die Gebärmutter eingesetzt und gibt dort Kupferionen ab. Die Kupferionen vermindern die Beweglichkeit und Lebensdauer der Spermien und Hemmen den Eizelltransport sowie die Eizelleinnistung. Es gibt Spiralen, welche für 5 oder für 10 Jahre liegen bleiben können. Eine Kupferspirale kann auch bei jungen Frauen ohne Kinder eingesetzt werden. Die Einlage erfolgt während der Mens unter Gabe von Paracetamol und Ibuprufen (Schmerzmittel) sowie Cytotec (verstärkt Öffnung des Muttermundes). 6 Wochen nach der Einlage erfolgt eine Kontrolle. Liegt die Spirale weiterhin korrekt, ist die Verhütung ab diesem Zeitpunkt gegeben, zuvor ist die zusätzliche Verhütung mit Kondom empfohlen. Bei sehr starker Mens oder sehr starken Schmerzen während der Mens ist die Kupferspirale nicht empfohlen.

Hormonelle Verhütung

Hormone sind körpereigene Botenstoffe, welche von verschiedenen Drüsen produziert werden und die Kommunikation der unterschiedlichen Organe untereinander steuern. Die vom Eierstock produzierten Hormone Östrogen und Progesteron (Gelbköperhormon) steuern im Wechselspiel mit den Hormonen LH und FSH des Gehirns die Fruchtbarkeit d.h. die Eizellreifung, den Auf- und Abbau der Gebärmutterschleimhaut und die Konsistenz des Zervixschleims. Die für die Verhütung zugeführten Hormone ähneln den körpereigenen Hormonen und führen je nach Dosierung und Wirkstoff zu unterschiedlichen Effekten

  • Verfestigung des Zervixschleims, so dass die Spermien den Muttermund nicht passieren
  • Unterdruckung des Aufbaus der Gebärmutterschleimhaut, so dass eine befruchtete Eizelle sich nicht einnisten kann
  • Verminderung der Eileiterbeweglichkeit, so dass der Transport von Eizelle und Spermien behindert wird
  • Unterdruckung der Eizellreifung und des Eisprungs

Die Gelbkörperhormone sind hauptsächlich für die oben genannten Effekte zuständig, während das Östrogen für einen stabilen Zyklus mit regelmässiger Periode sorgt und Zwischenblutungen verhindert. Hierdurch haben sich unterschiedliche hormonelle Verhütungsmethoden entwickelt. Diese werden nach kombinierten (Östrogen und Gelbkörperhormon) und rein gestagenhaltigen (Gelbkörperhormon) Mitteln unterschieden.

Kombinierte Präparate

Pille: Alle kombinierten Hormonpillen enthalten ein Östrogen und ein Gestagen, wobei bei fast alle Pillen als Östrogen das Ethinylestradiol und es je nach Pille unterschiedliche Gelbkörperhormone enthalten. Die Pillen werden je nach Dosierung über 21 oder 24 Tage eingenommen und dann für 7 oder 4 Tage pausiert, damit eine Periodenblutung kommen kann. Die unterschiedlichen Gelbkörperhormone in der Pille können zu gewünschten (weniger Akne) und unerwünschten (z.B. Müdigkeit, Libidoverlust, Kopfschmerzen, Gewichtszunahme) Nebenwirkungen führen, so dass bei Beschwerden die Pille und damit das Gestagen gewechselt werden. Das Ethinylestradiol kann ebenfalls zu Beschwerden in Form von Kopfschmerzen oder Gewichtszunahme führen, so dass hier eine andere Pille mit weniger Östrogen oder ohne Östrogen angezeigt ist. Da vor allem Ethinylestradiol das Risiko für Blutgerinnsel erhöht und Raucherinnen oder Frauen mit familiärem Thromboserisiko bereits ein erhöhtes Risiko haben, sind für diese hauptsächlich östrogenfreie Präparate und in einigen Fällen Pillen mit Estradiol-Valerat (natürliches Östrogen) empfohlen.

Verhütungspflaster: Die Hormone werden beim Pflaster über die Haut resorbiert und anschliessend im Körper verteilt. Das Pflaster ist entweder hautfarben oder durchsichtig und wird auf das Gesäss, den Bauch oder den Oberarm geklebt. Dort verbleibt es jeweils für 1 Woche und wird dann gewechselt. Nach 3 Wochen wird eine pflasterfreie Pause von 1 Woche eingelegt, während welcher die Mens kommt. Nach genau 1 Woche Pause wird wieder von vorne begonnen. Auch wenn das Pflaster beim Duschen, Schwimmen und in der Sauna halten sollte, ist eine tägliche Kontrolle empfohlen. Bei Lockerung/ Ablösung des Pflasters, sollte ein neues aufgeklebt werden. War das Pflaster mehr als 24 Stunden abgelöst besteht kein Verhütungsschutz mehr und es muss für 1 Woche zusätzlich mit Kondom verhütet werden.

Verhütungsring (Nuvaring): Der Nuvaring besteht aus einem weichen und durchsichtigen Plastikring mit 5cm Durchmesser, welcher in der Scheide platziert wird. Dort setzt er dann über 3 Wochen kontinuierlich Hormone (Östrogen und Gestagen) frei, die dann in die Blutbahn gelangen. Nach 3 Wochen erfolgt wie bei der Pille eine Pause von 1 Woche, während derer die Periode kommt. Er wirkt somit wie eine Pille aber ohne die tägliche Einnahme. Durch die gleichmässige aber niedrigere Hormondosis wird er häufig besser vertragen als eine Pille.

Gestagenhaltige Präparate

Diese Präparate sind insbesondere für Frauen mit erhöhtem Thromboserisiko (Raucherinnen, bereits gehabte Thrombose, angeborene Thromboseneigung) und stillende Mütter die kein Östrogen nehmen dürfen und solche die östrogenhaltige Medikamente nicht vertragen geeignet. Das Verhütungsstäbchen und die Hormonspirale bieten ausserdem die Möglichkeit einer sehr langfristig sicheren Verhütung (über Jahre). Aufgrund des fehlenden Östrogens kann es vor allem in den ersten Monaten zu Zwischenblutungen und bei langfristiger Anwendung zu einer deutlichen Verminderung bis zum Ausbleiben der Periode kommen.

Gestagen-Pille: Diese Pille wirkt über die oben beschriebenen Verhütungseigenschaften von Gelbkörperhormonen. Im Gegensatz zu kombinierten Pillen wird die Gestagen-Pille täglich ohne Pause eingenommen. Die Periode tritt während der Einnahme wie gewohnt aber schwächer auf.

Verhütungsstäbchen (Implanon): Das Hormonstäbchen wird unter lokaler Betäubung mit einer „Nadel“ unter die Haut auf der Innenseite des Oberarms geschoben und bleibt dort für 3 Jahre liegen. Zur Entfernung wird unter erneuter Betäubung über einen ganz kleinen Schnitt (ca. 5mm) das Stäbchen wieder her raus gezogen. Die Einlage ist am optimalsten zur Zeit der Mens, um Verschiebungen des Zyklus zu verhindern.

Hormonspirale: Die Hormonspiralen werden in die Gebärmutter eingesetzt und geben dort lokal Gestagen frei, welches des Schleimpfropf des Gebärmuttermundes verdickt und den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) verhindert. Der Eisprung wird normalerweise nicht unterdrückt. Es gibt Spiralen, welche für 3 Jahre (Levosert oder Jaydess) oder für 5 Jahre (Mirena) liegen bleiben können. Eine Hormonspirale kann auch bei jungen Frauen ohne Kinder eingesetzt werden. Die Einlage erfolgt während der Mens unter Gabe von Paracetamol und Ibuprufen (Schmerzmittel) sowie Cytotec (verstärkt Öffnung des Muttermundes). Eine nochmalige Kontrolle auf korrekte Lage wie bei der Kupferspirale ist nicht notwendig. Es besteht sofort Sicherheit bezüglich der Verhütung. Die Hormonspirale eignet sich besonders für sehr starke Mens oder sehr schmerzhafte Mens.

3-Monatsspritze: Alle 3 Monate wird hierbei ein Hormon-Depot mit einem Gestagen in den Gesäss- oder Oberarmmuskel gespritzt. Da es bei langfristiger Anwendung zu einer Verminderung der Knochendichte kommen kann, sind bis auf spezielle Fälle andere Präparate empfohlen.

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